KI-BildUnfälle & Sicherheit
767 Unfall in Miami, Durchstartmanöver wurde abgebrochen
Von Nico Pliquett · 11.09.2026
Beim tödlichen Landeunfall einer Boeing 767-300F in Miami gibt es neue Details zum Ablauf auf der Piste. Die Maschine setzte spät auf, die Crew leitete offenbar noch ein Durchstarten ein und nahm den Schub kurz darauf wieder zurück.
Nach dem Landeunfall einer Boeing 767-300F am 6. September 2026 in Miami liegen neue Details zum Ablauf der letzten Sekunden vor. Die Frachtmaschine der 21 Air war im Auftrag von Amazon Prime von San Juan nach Miami unterwegs. Nach der Landung auf Piste 30 konnte das Flugzeug nicht rechtzeitig zum Stillstand gebracht werden, überrollte das Bahnende und kam rund 400 Meter dahinter zum Stehen. Fünf Menschen kamen ums Leben, mehrere weitere wurden verletzt. Die Boeing 767 kollidierte nach dem Verlassen der Piste unter anderem mit einem Kleinbus, in dem sich sieben Personen befanden. Fünf von ihnen starben. Nach dem Unfall brach an der Maschine ein Feuer aus. Die beiden Piloten überlebten. Die Untersuchung läuft, eine abschließende Unfallursache ist noch nicht bekannt. Im Mittelpunkt der neuen Details steht der Landeablauf. Der Anflug wird als nicht stabilisiert beschrieben. Ein stabilisierter Anflug bedeutet, dass Flugzeug, Geschwindigkeit, Sinkrate, Konfiguration und Ausrichtung rechtzeitig innerhalb festgelegter Grenzen liegen. Wird diese Bedingung nicht erreicht, ist im gewerblichen Flugbetrieb häufig ein Durchstarten vorgesehen. Die Boeing setzte auf der 2.853 Meter langen Piste 30 erst verhältnismäßig spät auf. Kurz nach dem Aufsetzen wurde offenbar ein Durchstartmanöver eingeleitet. Dabei wurden die Triebwerke auf TO/GA Leistung gebracht. TO/GA steht für Take off und Go around, also Startleistung oder Leistung für das Durchstarten. Nach etwa vier Sekunden wurden die Schubhebel wieder auf Leerlauf gezogen und die Radbremsen betätigt. Die Schubumkehr wurde nicht aktiviert. Zu diesem Zeitpunkt reichte die verbleibende Strecke nicht mehr aus, um die rund 104 Tonnen schwere Maschine auf der Piste anzuhalten. Für die Unfalluntersuchung ist damit besonders wichtig, warum der Anflug fortgesetzt wurde, warum das Durchstarten erst nach dem späten Aufsetzen begann und weshalb es kurz darauf wieder abgebrochen wurde. Die US-Unfalluntersuchungsbehörde NTSB untersucht den Ablauf. Ob technische, organisatorische, operationelle oder menschliche Faktoren eine Rolle gespielt haben, ist derzeit noch nicht abschließend bekannt. Der Fall betrifft ein großes Verkehrsflugzeug, ist aber auch für die allgemeine Luftfahrt sicherheitsrelevant. Die Grundsätze eines stabilisierten Anflugs gelten unabhängig von Flugzeuggröße und Antriebsart. Ein rechtzeitig eingeleitetes Durchstarten ist kein Zeichen eines misslungenen Flugs, sondern ein Sicherheitsverfahren. Besonders kritisch sind späte Entscheidungen in Bodennähe, weil verbleibende Pistenlänge, Energiezustand und Reaktionszeit dann schnell gegen die Besatzung arbeiten können.
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