PILOTCENTER

29. bis 30.09.2026

Flug mit dem Goodyear Blimp

Ein außergewöhnlicher Ausflug führte mich mit der C42 ins Ruhrgebiet und anschließend an Bord des Goodyear Blimps. Dabei bekam ich faszinierende Einblicke in eine ganz andere Art des Fliegens.

Nico Pliquett3 Flüge · 721 km · 6 h 35 min

Beim Abspielen wird das Video von YouTube geladen.

Dienstag, 29. September 2026

Ein besonderer Auftrag

Heute wartet ein Flug, wie ich ihn noch nie erlebt habe: In Essen/Mülheim soll es am Abend mit dem Goodyear Blimp in die Luft gehen. Zuerst muss ich aber mit der C42 von Lüneburg nach Dinslaken fliegen, denn in Essen/Mülheim sind Ultraleichtflugzeuge nicht zugelassen. Von dort geht es mit einem Mietwagen weiter. Da der Rundflug erst um 18 Uhr beginnt, ist die Rückreise für den nächsten Morgen geplant.

Der Flug nach Dinslaken verlief größtenteils ruhig. Bei Soltau entdeckte ich allerdings einen Brand in der Heide. Unten waren bereits Traktoren und Menschen im Einsatz, deshalb musste ich ihn nicht mehr melden.

Nach der Landung stellte ich die Lima Golf ab und schützte die Ruder. Direkt daneben stand eine Pilatus PC-12, die nach ihrer Landung mit verstelltem Propeller sogar rückwärts rollte. Der Größenvergleich mit meiner C42 war beeindruckend.

Mit dem Mietwagen ging es anschließend nach Essen/Mülheim. Dort bekamen wir zunächst eine Führung durch die gewaltige Luftschiffhalle. Die Holzkonstruktion und die mehr als 60 Tonnen schweren Tore zeigten schon, welche Dimensionen hier bewegt werden. Danach brachte uns ein Bus zum Landeplatz des Goodyear Blimps.

Mit dem Goodyear Blimp über dem Ruhrgebiet

Schon die Ankunft des Luftschiffs war faszinierend. Trotz seiner Größe ließ es sich erstaunlich präzise manövrieren. Am Boden richtet es sich immer nach dem Wind aus. Beim Einsteigen mussten deshalb jeweils zwei Passagiere aussteigen und zwei neue einsteigen, damit das Gewicht ausgeglichen blieb. Später übernehmen Ballastwasser oder zusätzliche Gewichte diese Aufgabe.

Der Goodyear Blimp ist das einzige Luftschiff dieser Art in Europa, drei weitere fliegen in den USA. Angetrieben wird er von drei Motoren mit jeweils 200 PS. Insgesamt vier Propeller sorgen für Vortrieb und Manövrierfähigkeit. Für Start und Landung lassen sich die vorderen Propeller nach oben schwenken, während ein quer eingebauter Propeller am Heck das Luftschiff seitlich drehen kann. Zusammen mit den Rudern ermöglicht das eine erstaunlich punktgenaue Landung.

In der Luft war vieles völlig anders als in einem Flugzeug. Das Luftschiff besitzt keine Überziehgeschwindigkeit. Es ist etwas schwerer als Luft und bleibt durch Helium, Vorwärtsfahrt und Motorleistung oben. Fällt der Schub weg, sinkt es langsam und kann sich weiterhin mit dem Wind bewegen. Das nicht brennbare Helium bleibt dabei in der Hülle.

Für Druckausgleich und Trimmung gibt es im Inneren sogenannte Ballonets, die mit Luft gefüllt werden. Beim Steigen wird Luft abgelassen, beim Sinken wieder hineingepumpt. Wird vorne oder hinten unterschiedlich viel Luft eingefüllt, lässt sich damit auch die Längstrimmung verändern. Helium muss dafür weder abgelassen noch neu aufgenommen werden.

Die Piloten steuern über Seilzüge und die Ruder am Heck. Wer selbst Luftschiffpilot werden möchte, braucht zunächst eine Berufspilotenlizenz für Flugzeuge oder Hubschrauber und mindestens 500 Flugstunden. Danach folgt eine eigene Ausbildung für die Berufspilotenlizenz Luftschiff. Das Luftschiff ist zwar für einen Piloten zugelassen, bei besonderen Einsätzen und Transferflügen sitzen aber zwei Piloten im Cockpit.

Unser Rundflug führte am Düsseldorfer Flughafen und an der Arena vorbei, in der an diesem Abend die Backstreet Boys spielten. Wir drehten mehrere Runden über dem Ruhrgebiet. Für ein so großes Luftfahrzeug war der Blimp unglaublich wendig. Bei 28 Knoten Wind in der Höhe flogen wir zeitweise mit einem Vorhaltewinkel von 65 Grad deutlich seitwärts.

Langsam wurde es dunkel und wir kehrten nach Essen/Mülheim zurück. Am Landeplatz wartete bereits der beleuchtete Truck als Orientierung. Nach dem Aufsetzen dockte er vorne am Luftschiff an, hob es noch einmal an und schob es zum Abstellplatz. Dort wurde der Blimp mit Gewichten beschwert und an einem Mast befestigt, um den er sich bei wechselndem Wind frei drehen konnte.

Dieser Flug war eine außergewöhnliche Erfahrung. Die Technik, die ruhige Bewegung und der Blick aus der Kabine haben mich völlig begeistert.

Mittwoch, 30. September 2026

Zurück nach Lüneburg

Am nächsten Morgen schien die Sonne, der Himmel war blau und die Vorhersage versprach Rückenwind. Nach einer ruhigen Nacht machte ich die Lima Golf für den Rückflug fertig. Die Route führte fast auf demselben Weg zurück, nur in umgekehrter Richtung.

Der Flug verlief weitgehend unspektakulär und mit dem Rückenwind kam ich in gut zwei Stunden nach Lüneburg. Bei der Landung brauchte ich wegen des Seitenwinds einen deutlichen Vorhaltewinkel und wurde noch einmal ordentlich durchgeschüttelt. Trotzdem gelang die Landung gut. Nach diesem Ausflug war für mich wieder einmal klar, wie vielseitig und faszinierend die Fliegerei ist.

3 gefällt das

Kommentare

Fragen zur Route, zu Plätzen oder Kosten.

Noch keine Kommentare. Mach den Anfang.

Mit einem Konto: mitreden und antworten. Flüge aufzeichnen, Plätze abhaken, Reisen schreiben, mitreden und den Marktplatz nutzen.

Anmelden oder Konto anlegen